Das Gastgewerbe gilt als das zweitälteste Gewerbe der Menschheit. Bereits vor 4000 Jahren ist von einer Schenkwirtin die Rede, die einen verzweifelten Mann am Tresen tröstet. Wussten Sie, dass Goethes Großvater Gastwirt war und Schiller ständig was auf dem Kerbholz, nämlich Zechschulden, hatte? Oder wie eine Menschenfressergabel oder ein Brot aus der ältesten Betriebskantine der Welt aussehen?

Erstmals widmet sich eine von drei Museen gemeinsam veranstaltete Ausstellung der Gastgewerbe-Historie über Jahrtausende hinweg. Mit zum Teil einmaligen Objekten verschiedener Kulturkreise bekommt der Museumsgast Einblicke in die Anfänge des Gastgewerbes, dessen Besonderheiten, dessen skurrile und unbekannte Seiten.

In einem Erfurt-Kapitel und zwölf Komplexen werden mit zum Teil einmaligen Exponaten verschiedenste Themenkomplexe behandelt: Hier einige Beispiele:

Vom Feind zum Gast
Der Mensch kocht, das Tier nicht. Die Evolution des Menschen geht parallel mit der Evolution des Kochens. Unsere Vorfahren begannen vor 250.000 Jahren (nach neuesten Theorien schon vor 2 Millionen Jahren) zu kochen. Moderne Thesen lauten: Nicht durch Arbeit, sondern durch die Vorliebe für warmes Essen ist der Homo erectus intelligent geworden. Gekochte und gebratene Nahrung hat die rapide Hirnentwicklung mehr befördert als jede andere Kulturleistung (Wrangham). Das gemeinsame Essen und Trinken – gehen wir doch mal ein Bier trinken – sind noch heute die wichtigsten Zeichen von Friedens- und Verständigungswillen.

Imbiss-Buden, Garküchen, Betriebskantinen und Kneipenbordelle im alten Orient, in Ägypten und Rom
Mit der Etablierung von Waren-Austausch-Wirtschaftssystemen und Geldwirtschaft im alten Orient wird das Gewähren von Gastlichkeit unter bestimmten Voraussetzungen (Urbanität, Mobilität, Verkehr) eine ganz normale Dienstleistung und unterliegt den Gesetzen des Marktes. Eine 4500 Jahre alte Brotbackform zeigt, wie es in den Betriebskantinen der Pyramidenarbeiter zuging. Im alten Rom frönt man illegalem Glücksspiel oder geht gleich ins Kneipen-Bordell.

Ein innovationsfreudiges Gewerbe
Kaffeehäuser sind im 18. Jahrhundert und Restaurants im 19. Jh. völlig neuartige Betriebsformen, die an der Entwicklung von den groben Sitten zur feinen Lebensart wesentlichen Anteil tragen. Das Hotelsilber wird im Jahr 1770 in Thüringen erfunden. Im 19. /20.Jh. entwickelt sich das Gastgewerbe zur Innovationslokomotive im Bereich Hotellerie, Großverbrauch, Getränke- und Küchentechnik.
Heute befindet sich das Gastgewerbe im Spannungsfeld von Global und Regional, von Einzellösung und System.
Fernseh- und Molekularköche haben Hochkonjunktur. Das Kaffeehaus mit Kuchen ist tot, dafür gibt es den Coffee Shop mit Latte (macchiato). Thüringen befindet sich im Segment Hotelporzellan mit Kahla an der Weltspitze.

Die Sonderausstellung kann vom 17. Mai bis zum 5. Oktober im Stadtmuseum Erfurt angeschaut werden.

Danach ist dies noch in zwei Städten möglich:
Deutsches Klingenmuseum Solingen
31. Oktober 2008 bis 13. April 2009

August Kestner Museum
13. Mai 2009 bis 30. August 2009

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