Aus dem Leben gegriffen: Jedem ist mit Sicherheit die Situation bekannt, durch den Supermarkt zu irren – nicht das zu bekommen, was man eigentlich möchte. Vergeblich auf der Suche nach einer Verkäuferin, die wie es schier scheint, gerade in diesem Moment vom Erdboden verschluckt wurde. Es erweckt den Eindruck, als ob suchende Blicke wie eine innere Stimme auf Diese wirken, mit dem kleinen Signal im Kopf, sich genau dann aus dem Staub zu machen. Endlich unzufrieden an der Kasse angekommen, fragt dann auch noch wie von der Wand gegenüber ablesend die vor Motivation sprühende Kassiererin ohne irgendeinen Ausdruck im Gesicht: „War alles zu Ihrer Zufriedenheit?“ Einen kurzen Augenblick des Überlegens, ob eine ehrliche Antwort passend wäre. Aber wozu? Es regt doch förmlich dazu an, den Mund zu halten. Sie macht nur Ihren Job…

Hier stellt sich mir die Frage, wann die Definition des Begriffs „Dienstleistung“ auch in den letzten Köpfen ankommt. In diesem Fall bin ich mir nicht sicher, ist es Schuld des Angestellten oder fehlende Motivation des Arbeitgebers. Das angeführte Beispiel ist genauso übertragbar auf Alltagssituationen jeder anderen Dienstleistungsbranche. Für die große Supermarktkette mögen sich solche Fälle wahrscheinlich nicht unbedingt auf die Kundenbindung auswirken. Hier scheint es, als sei es dem Kunden egal, ob nun die halbe Stunde beim Einkaufen „Dienstleistung“ gross schreibt. Brot und Butter braucht man nunmal zum Leben.

Wie sieht das aber in der Gastronomie aus? Der Gast des Restaurants, der eine halbe Stunde vergeblich auf den Kellner wartet, sein Getränk mit routinierter Grimmigkeit hin gestellt bekommt, anschließend auf eine Diskussion vorbereitet sein muss, weil statt der bestellten Rosmarinkartoffeln auf einmal Dauphinekartoffeln seinen Teller zieren – sollte er nicht an Ort und Stelle dieses Etablissement verlassen, wird man Ihn nicht wiedersehen und dieser gelungene Besuch in aller Munde sein…

Es scheint mir, als schreit es der Zeit aus aller Munde: Versklavung für die Gastronomie!

Nehmen wir doch das Ganze mal genauer unter die Lupe: schlecht bezahlter Arbeitsplatz, von den Arbeitszeiten ganz zu schweigen. Familienfreundlichkeit ist dieser Branche sowieso ein Fremdwort. Training für die Gesichtsmuskulatur, denn das Lächeln während eines manchmal 14 Stunden Tages darf ja nicht verloren gehen. Was zählt ist der Profit, in der Umsetzung darf jeder Mitarbeiter recht flexibel sein und auf seine Schauspielkünste zurück greifen.

Kein Wunder, das der Ruf nach kompetenten Mitarbeitern immer lauter wird. Noch nie war die Ausbildungsquote der HoFas, ReFas und Köche so hoch, wie in den letzten Jahren. Nur jeder der ein Funken der Selbstverwirklichung in sich trägt, geht nach der Ausbildung ins Ausland oder verschwindet wieder aus der Branche. Kann man Ihnen anhand der Tatsachen daraus einen Vorwurf machen?
Was bleibt, ist der traurige Rest Derer, die eben Geld verdienen müssen und so Tag für Tag für Tag ihrer Arbeit nachgehen müssen.

Wie also schaffe ich es als guter Arbeitgeber, dem die Kundenbindung wichtig ist, meine Mitarbeiter so zu motivieren und auch noch von der Firmenphilosophie zu überzeugen, das es eben nicht nur ein Job ist?

Klar ist auf jeden Fall, entweder liebe ich diesen Job und „lebe“ ihn oder ich bin fehl am Platz. Sollte das, das einzigste Patentrezept für gute Gastronomie sein?

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