Mitten in der historischen Altstadt von Bautzen eröffnete vor einigen Wochen ein kleines aber feines Restaurant seine Pforten. Via Twitter erfuhr ich von dem sogenannten „neuen Stern am Bautzner Gourmethimmel“ namens „Culinarium„, einst bekannt als Tempo Moderno.
Häuser mit gehobenerem Anspruch (die diesem auch gerecht werden) sind hier in der Region seltener Natur, demnach ließ ein Besuch nicht lange auf sich warten. Das Restaurant selbst verfügt über einen Gastraum mit schätzungsweise ca. 20 Sitzplätzen, sowie einem kleinen Kellergewölbe mit der in etwa selben Kapazität. Alles in allem modern eingerichtet, wobei das Licht sehr kühl ausfiel, was das Ambiente leicht unstimmig wirken ließ.
Beim Einblick in die Speisekarte erweckte sich mir der Eindruck, das sich Unschlüssigkeit breit machte, ob nun eher Gourmetküche oder gute Oberlausitzer Hausmannskost im Vordergrund stehen soll. Angefangen vom sorbischen Gericht, weiter zur asiatischen Küche bishin zum Rindspaillard wird dem Gaumen schmackhaft gemacht. Die Getränkekarte erwies sich als stimmig.
Mein Augenmerk fiel auf das Angus-Rinderfilet sowie einer Crème Brûlée zum Dessert. Mit dem Servieren des Aperitifs folgte auch sogleich das Amuse-Gueule, ein Kräuterquark mit Weißbrot. Schön wäre hierzu ein Brotteller inklusive Buttermesser gewesen um nicht zum Steakmesser greifen zu müssen. Ausgehoben wurde dies leider auch nicht, vor bzw. mit dem Hauptgang. Das Rinderfilet selbst war auf den Punkt gebraten und ließ keine Wünsche offen. Nur das Dessert hatte es in sich. Liebevoll angerichtet, leider aber flockig und dadurch ungenießbar. Auf meine Reklamation reagierte „Patrick“ (wie sich auf der Rechnung rausstellte) freundlich, bot mir umgehend den Umtausch bzw etwas Anderes an. Verflogen war der Appetit, so dass die Speise sofort storniert und der geordete Latte als Geschenk des Hauses gereicht wurde. Erwähnt an dieser Stelle sei noch, das wir beim Zahlen lediglich eine Zwischenrechnung statt eines Bewirtungsbeleges ausgehändigt bekamen. (?)
Alles in allem herrscht ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Servicepersonal glänzt mit Fachkenntnis, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit, ohne dabei aufdringlich zu sein. Für den Vergleich eines L´Ambiente reicht es noch nicht, hierfür fehlt es an den gewissen gastronomischen I-Tüpfelchen.
Oktober 13, 2009 at 10:19
Sehr geehrte Frau Jarsetz,
was ist in Ihren Augen Gourmet?
Das Culinarium ist keinesfalls eine Gourmetadresse bzw. ein gehobenes Restaurant – dazu fehlt es an der ausgewogenen Kochleistung und Service.
Aber Gott sei Dank gibt es ja richtige Gourmettester – wie Michelin und Gault Millau die sehr kritisch und richtig Häuser beurteilen.
Wenn Sie das nächste mal solche Worte in den Mund nehmen, sollten Sie sich auch mit der Materie besser befassen.
MfG
M. Wünsche
Oktober 13, 2009 at 10:59
Hallo Frau Wünsche!
Vielen Dank für diesen konstruktiven Beitrag. Sich mit der Materie zu befassen, heißt für mich auch interessiert zu lesen. Hierbei sollte dem geübten Auge auffallen, das der „Stern am Bautzner Gourmethimmel“ die Aussage von einem vor mir dort verweilenden Gast ausgesprochen wurde. Die Räumlichkeiten des heutigen „Culinarium“ sind mir noch aus Zeiten des „Tempo Moderno“ bekannt. Ein kleines, aber feines Restaurant mit dem gewissen Flair sowie einer innovativen Küche. Wenigstens ansatzweise ein erwähnenswertes Restaurant in unserer Region – Ausbaufähig. Wie viele können davon hier genannt werden?
Wie schon erwähnt, das gastronomische I-Tüpfelchen fehlt dem „Culinarium“. Dennoch kann ich mir anhand einzelner Komponenten dieses Hauses kaum vorstellen, das man nicht versucht hat, dem gehobenerem Standard gerecht zu werden.
Entscheiden muss doch letztlich der Gast, nicht Gault Millau oder Michelin und schon gar nicht das Blog „gastro expérience“. Hier spiegeln sich lediglich meine Erfahrungen wider…